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Zaltho Sangha e.V.

Gemeinschaft für Frieden & soziale Aussöhnung

Zaltho Sangha e.V. Mailing List

... an welchem auch der 20. Jahrestag des Bestehens des Zaltho Sangha e.V. gefeiert wurde

Am 17. und 18. November trafen sich 16 Menschen aus verschieden Regionen Deutschlands für ein Wochenend-Retreat mit der Zaltho Sangha. Das Retreat fand in Deesem bei Lohmar in NRW statt. Der Retreatort lag direkt am Waldrand neben einem Hospiz. Wir haben verschiedene Formen der Meditation praktiziert: Sitzen, Essen, Schreiben, Arbeiten und Sprechen und Zuhören. Die Herbstsonne beschien den lichtdurchfluteten Meditationsraum und wärmte ihn und uns, die teilnahmen, auf angenehme Art. Jeder hatte leckere Lebensmittel oder auch fertig vorbereitete Gerichte mitgebracht, die dankbar in der Essmeditation miteinander geteilt wurden. Am Samstag wurde die Jahreshauptversammlung abgehalten. Zum Abschluss der Versammlung wurde der Gruppe ein wunderbarer Kuchen zum 20-jährigen Bestehen des Zaltho Sangha e.V. überreicht.


Ich fühlte eine tiefe Verbindung mit allem, einschließlich eines tiefen Gefühls der Vergänglichkeit durch die Anwesenheit des Herbstes und durch die Nähe zum Hospiz. Ich bin sehr dankbar, Teil des Zaltho Sangha-Wochenendes gewesen zu sein und ich nehme, wie so oft, Dankbarkeit, Stille und den Wunsch nach Frieden in mir und mit der Welt mit.

5 erfahrungsbericht chrisangyobolzen

Von Sonja MyoZen Sterner


    Als mein Lehrer, Claude AnShin Thomas, mich dazu einlud, Stoffe für mein Kesa (die formale Nonnen-Robe) zu sammeln und damit anzufangen, dieses zu nähen, war ich erfreut und gleichzeitig auch unsicher, ob ich das schaffen könnte, denn ich bin keine gute Näherin und mein Alltag ist oft sehr voll. Neben dem Nähen galt es auch, zahlreiche Lehrtexte handschriftlich zu kopieren.   

    Dann erinnerte ich mich daran, nicht den ganzen Berg auf einmal anzuschauen, sondern einfach Schritt für Schritt voran zu gehen. So sammelte ich in den folgenden Wochen die Stoffe, begann mit dem Nähen des Kesa und dem Abschreiben der Texte.

     Als ich zum Jahreswechsel-Retreat in das Magnolia Zen-Zentrum in die USA reiste, trug ich mein fertiges Kesa und die Sammlung meiner Abschriften im Handgepäck. Nach meiner Ankunft im Zentrum überreichte ich diese Claude AnShin.

     Am Vormittag des 4. Januar 2019 bekam ich die Nachricht, dass mir nach dem Mittagessen der Kopf rasiert werden würde. Als ich davon erfuhr, bekam ich starkes Herzklopfen. Jetzt, wo der Schritt zur Ordination so konkret wurde, bekam ich es plötzlich mit der Angst zu tun, einen kahlen Kopf zu haben.

    Drei Dharma-Schwestern rasierten mir den Kopf -  ihre Fürsorge und ihr Humor halfen mir, mit den Gedanken und Gefühlen zurechtzukommen, mit denen ich zu tun hatte. Nachdem meine Dharma-Schwestern fertig waren, wurde ich mit meinem rasierten Kopf, auf dem noch ein letztes Haarbüschel emporragte, zum Zendo gebracht. Ich war nur mit meinem weißen Kimono bekleidet. Als ich den Zendo betrat, war ich davon berührt, wie schön dieser mit schönen Blumen und farbigen Stoffen dekoriert war. Und auch berührt von den Menschen, die anwesend waren, inklusive meinem Sohn Ole, der in meiner Nähe saß.

    Mit meinem kahlen Kopf und nur mit dem Kimono bekleidet, fühlte sich alles für mich neu und ungewohnt an – das Wort „Anfängergeist“ erklang in mir. Während der Zeremonie waren mir dann aber mein Lehrer, die Rezitationen und die Sangha sehr vertraut. Ich fühlte mich zutiefst verbunden. Während die Zeremonie weiterging, fragte mein anleitender Lehrer mich nach meiner Erlaubnis, das letzte Haarbüschel abzuschneiden. Dann, nachdem wir Rezitationen und Verneigungen gemacht hatten, beschlossen wir alle gemeinsam die Zeremonie. Schrittweise wurde ich mit meinen neuen Roben angekleidet, und bekam die Nonnen-Roben. Danach wurde mir das Kesa überreicht, welches ich genäht hatte. Ich hatte oft gesehen, wie Claude AnShin, KenShin und GenRai ihre Kesas umgebunden haben, aber mein eigenes Kesa umzubinden war mir ein Mysterium. GenRai stand bei mir und unterstützte mich dabei.   

    Ich bin zutiefst dankbar für diesen Zen Buddhistischen Weg. Ich bin zutiefst dankbar für meinen Lehrer, Claude AnShin, der mich auf diesem Weg anleitet und mir in geschickter Weise immer wieder Wege durch meine schwierigen Lebensphasen aufzeigt. Ich bin zutiefst dankbar für die Sangha, die mich auf diesem Weg beständig unterstützt.

     So gehe ich Schritt für Schritt weiter ins Unbekannte. Mit großer Freude über meine Nonnen-Gelübde verneige ich mich vor euch allen.

 

Textauszug von Claude AnShin Thomas

 

Ein buddhistischer Mönch sagte einmal „Wir brauchen Frieden sehr, aber um Frieden zu bringen, musst du Frieden sein.“ Aber was ist Frieden? Mein Verständnis von Frieden entwickelt sich ständig weiter. Ich habe gesehen, dass wenn wir ein festgelegtes Verständnis von Frieden haben, dass wir uns selbst in eine sehr enge begrenzte Perspektive einschließen. Wir haften dieser so sehr an, dass wir nicht sehen, welches Potenzial von Frieden in jedem Moment existiert. Frieden ist nicht festgelegt und rigide, er ist organisch, sich ständig mit den Umständen und Situationen verändernd.

    Obwohl mein Verständnis von Frieden weiterhin wächst und sich verändert, weiß ich, dass Frieden nicht die Abwesenheit von Konflikt ist; es ist die Abwesenheit von Gewalt innerhalb des Konfliktes. Um Konflikte zu lösen, bedarf es, dass wir Aggression, Wut und Gewalt berühren, aber dass wir uns nicht diesen Qualitäten in uns hingeben - das ist es, was ich gelernt habe (und immer noch lerne).

    Wir können und müssen lernen, wie wir in Unstimmigkeit miteinander sein können. Es wird Konflikte geben; entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Wenn wir in einen Konflikt geraten, stehen wir dem Leiden von Angesicht zu Angesicht gegenüber, unserem eigenen und dem der Anderen. Wenn wir im Konflikt andere für unser Leiden verantwortlich machen, anstatt selbst Verantwortung dafür zu übernehmen, wird der Konflikt höchstwahrscheinlich nicht gelöst und wahrscheinlich wird er eskalieren – und die Form von Gewalt und Aggression annehmen.

    Wir müssen nicht in Gewalt leben. Das weiß ich aus meiner eigenen Erfahrung. Wenn wir wirklich anders leben wollen, können wir es. Es geht dabei nicht um Politik, sondern um Handlungen. Es geht nicht darum, das politische System zu verbessern oder soziale Ungerechtigkeiten zu korrigieren. Solche Handlungen sind wertvoll, werden aber allein nicht Krieg und Leiden beenden. Wir müssen aufhören, die endlosen Kriege zu führen, die in uns wüten. In diesem Prozess habe ich begonnen, von den Wunden der vielen Kriege zu heilen, in denen ich gekämpft habe: in meiner Familie, in der Schule, in der Gesellschaft, mit Alkohol und Drogen, in Vietnam. Ich weiß jetzt, dass ich Frieden praktizieren kann, indem ich Frieden bin. Das ist es, was mir durch meine Erfahrung in einem vietnamesischen buddhistischen Kloster in Frankreich klar wurde, als ich mit denjenigen lebte, die ich als meine Feinde betrachetet hatte.

2 textauszug anshin